Karikatur und Cartoon

Nach Aristoteles hat nur der Mensch die Fähigkeit zum Lachen. Tieren spricht er Humor ab. Die reflektieren ja auch eher selten über ihre Gewohnheiten, sondern machen was anliegt: Fressen, Saufen, Sex. Der Umkehrschluss sieht so aus: wer nur frißt, säuft und Sex hat, wäre demnach ein Tier. Wenn er darüber lachen kann, muss es Mensch sein. Und ein Cartoon oder eine Karikatur legt eben die Lebenslüge unserer Gewohnheiten offen.

Der Glaube, dass Tiere keine künstlerische Ader besitzen, wird auch sehr schön am Beispiel der Piranhas widerlegt. Diese beherrschen auf exzellente Weise die abstrakte Aquarellmalerei mit roter Tinte!

Die Volksweisheit weiß zu berichten, dass Lachen – dass Humor die beste Medizin sein soll. Aber sie sagt nicht, welche Krankheit geheilt werden soll. Körperliche Gebrechen? Ein gebrochenes Kinn, ein vereiterter Zahn, eine schwere Migräne? Wie soll hier Lachen helfen? Vermutlich geht die Volksweisheit eher von geistigen Prozessen aus, insofern will ich hier den Versuch wagen, welche Art von Persönlichkeitsstörung einer Heilung zuträglich wäre. Der Normal-Neurotische, damit sind wir als deutscher Michel gemeint, lebt die eine oder andere Störung mehr oder weniger in unterschiedlicher Ausprägung aus.

Frührente

Frührente

Zeichner: Roger Schmidt
veröffentlicht am: 16. Juli 2014
Homepage: www.karikatur-cartoon.de


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Und um welche Störungen geht es? Da wäre als erstes die Demenz. Hilft hier ein humorvoller Cartoon oder ein derber Witz? Wohl kaum: Demenzkranke nehmen sehr wohl die Pointe wahr, haben aber vergessen, in welchem Zusammenhang diese steht…

Hilft Humor gegen Zwanghaftigkeit? Mal im Ernst: Haben Sie schon mal einen Zwanghaften lachen sehen? Die lachen nie – man könnte ja sonst mit seinem Lachen seine durch ständiges Zähneputzen abgenutzten Zahnstummel zeigen…

Und wie sieht es mit dem Narzissmus aus? Kann hier ein Cartoon oder eine Karikatur zur Erheiterung beitragen? Nein, denn der ist so damit beschäftigt, die anderen zu beobachten, ob sie auch über seine Witze lachen, dass gar keine Zeit mehr bleibt, selbst zu lachen. Obwohl – dieser Typ von Narziß befindet sich so beschrieben wohl eher in seiner zweifelnden Phase, richtig auf dem Höhepunkt, interessiert es den Narziß gar nicht, ob einer lacht. Er stellt den Mittelpunkt des Universums dar und seine Witze sind immer gut.

Und ein paar Witze gegen Depressionen? Dagegen werden heutzutage lieber Pillen verschrieben. Serotoninmangel oder so. Der Mund ist ständig mit Tabletten gefüllt, wie soll der Depressive hier noch ein Lachen hervorwürgen? Verschluckt sich und ist tot. Und sagt dann: hab ich ja kommen sehen, nichts hat Sinn, alles umsonst , nichts nützt – noch nicht mal lachen…

Humor als Witz, Cartoon oder Karikatur kann ein bewährtes Gegengift gegen Widersinniges und steife Vorstellungen sein. Aber: darüber zu Lachen hieße ja, seine eigenen Konzepte in Frage zu stellen…

Einen Typus hätte ich fast unterschlagen: den Dependenten. Die suchen ständig nach haltbaren und dauernden Beziehungen. Und tun alles dafür. Wenn die anderen lachen, lacht er auch. Wenn die anderen nicht lachen, lacht er auch nicht. Und die anderen lachen nie…

Mir fällt noch der Vergleich mit Katzen an. Kleine Katzen spielen, ältere eher selten. Kleine Kinder lachen bis zu 400mal am Tag, Erwachsene nur noch durchschnittlich 15mal am Tag. Drum geht es Cartoonisten auch eher dreckig: Kinder können über einen Cartoon lachen und würden gerne mehr davon kaufen, haben aber kein Geld. Erwachsene haben sich in ihre Störungen verrannt und laufen ständig mit finsterer Miene herum. Für so einen Quatsch wie einen Cartoon gibt man in diesem Gemütszustand nichts aus…