Angefangen hatte alles mit einem inzwischen ausgestorbenen Seitenzweig der Gattung Homo Sapiens: den so genannten Juppies. Das waren gut gekleidete junge Leute, bewaffnet mit Handy und Aktenkoffer, die durch die Straßen flanierten und in Finanzwesen, Werbung und Computerbranche Millionen scheffelten. Oder zumindest so taten. Und alle wollten ihnen nacheifern: Jeder wollte auf einmal „Karriere" machen, jung, schön und erfolgreich sein, man war immer in Eile, hetzte vom Squash zum Kommunikationstrainer, gelegentlich auch zur Arbeit, man trug Markenklamotten (und zwar NUR) und:, man war mit Handy bewaffnet. Und damit das auch wirklich niemandem entgeht, lud man zu Wucherpreisen nervige Klingeltöne aus dem Internet und war rund um die Uhr am Telefonieren.
Inzwischen sind die Juppies ausgestorben, spurlos verschwunden wie einst der Neandertaler. Das Finanzwesen liegt am Boden, die Werbebranche ist eine Karikatur ihrer selbst, die Computerfachleute arbeitslos. Aber die Handys, sie haben überlebt, ja sie haben die Welt erobert, in einem Umfang, den nach ihnen wohl nur noch die Kakerlaken (eines hoffentlich noch fernen Tages) werden überbieten können.
Der moderne Konsument verwendet das Handy zB. als Einkaufszettelersatz im Supermarkt. Wozu schreiben (können), wenn man seineAlte direkt anrufen kann. Und dann wird lautstark diskutiert, denn schließlich versteht man unter all den anderen Handy-bewaffneten Einkaufszettel-Verweigerern sein eigenes Wort nicht mehr.
Und die Schüler? Mathe und Rechschreibung kennen sie nur vom Hörensagen, aber im SMS-Tippen sind sie Weltmeister. Und damit bestens gerüstet für den Überlebenskampf in der modernen Kommunikationswelt. Wen kümmert es da, dass Wissenschaftler inzwischen behaupten, Handys würden dumm machen? Das wissen wir doch längst! Handys machen dumm, Computerspiele, Fernsehen. Big Brother, GZSZ. Na und? Sind wir Exportweltmeister oder nicht? Und sind die Amis etwa schlauer als wir? Niemals ein funktionierendes System verändern! Oder?



