Keine Angst vor der Karikatur

Wie läßt sich eine Karikatur und ihre Zusammenhänge spielerisch und doch zielsicher erschließen?
Keine Angst vor der Karikatur

Keine Angst vor der Karikatur

Zeichner: Roger Schmidt
veröffentlicht am: 25. Juni 2014
Homepage: www.karikatur-cartoon.de
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Immer wieder erreichen mich Anfragen, ob ich eine meine Karikaturen erläutern kann. Hier und da mache ich das schon mal oder gebe einfach einen Tipp, eine Abgrenzung meinerseits wird allerdings notwendig, wenn von einer Schulklasse ein Klassenkamerad nach dem anderen anruft… Vermutlich geht es meistens nur darum, eine gute Note für eine Hausarbeit zu bekommen. Gelegentlich sind die Anfragen aber auch von dem Wunsch getrieben, die Karikatur als Kunstform, die eher der literarischen als der künstlerischen zugeschlagen wird, tiefer zu verstehen. In der oben beschriebenen ersten Form fragt man den Autor der Karikatur einfach nach der Bedeutung. Sofern dieser die Empörung über die Mohammed-Karikaturen überstanden hat… Der fortgeschrittene Leser sollte dagegen Wert auf das Selbstdenken legen. Nun ist es so, dass unser Denken unsere Wahrnehmung mitunter verfälscht. Wäre es nicht einen Versuch wert, eine Karikatur auf eine andere Weise, sozusagen spielerisch, verstehen zu wollen? Vielleicht gibt es ja auch noch etwas zu entdecken, was sich nicht sofort erschließt.

Wie könnte man also vorgehen, um sich eine Karikatur und ihre Welt spielerisch zu erschließen? Zusammenfassend bietet sich meines Erachtens folgendes grobes Muster an:

Betrachten -> Strukturieren –> Zusammenführen -> Analysieren -> Interpretieren

Meine Empfehlung ist, nicht das Original als Arbeitsmaterial zu benutzen, sondern sich ein paar Fotokopien der Karikatur anzufertigen.

Ausgangspunkt: nicht gleich die Karikatur verstehen wollen. Vielmehr das Denken abschalten! Die Karikatur einfach mit den Augen überfliegen.

Dann die Karikatur bearbeiten: zum Beispiel Fläche bemalen, Formen vollenden, schraffieren oder ausschmücken, Schatten setzen, etc.

Immer noch nicht verstehen wollen! Über die Karikatur sprechen. Was siehst Du? Genau bleiben, nur die Elemente benennen, die es auf der Karikatur gibt.

Immer noch nicht verstehen wollen! Beziehungen zwischen einzelnen Bildelementen der Karikatur grafisch herstellen, zum Beispiel Pfeile, Kringel, etc.

Immer noch nicht verstehen wollen! Ein Inhaltsverzeichnis bzw. eine Aufstellung der einzelnen Elemente der Karikatur anlegen. Die Elemente zu Einheiten gruppieren. Also zum Beispiel eine Person mit zugehörigen Gegenständen zu einer Gruppe zusammenfassen.

Hat die Karikatur einen Untertitel? Was fällt einem beim Lesen des Titels ein? Synonyme? Vergleichbare, ähnliche Begriffe suchen.

Das war dann auch schon das Analysieren der Karikatur. Jetzt könnte man so langsam sein Messer wetzen… Welche Bedeutung haben die gebildeten Gruppen und ihre einzelnen Elemente? Wie sind sie dargestellt? Sind diese zum Beispiel überproportional oder emotional belegt gezeichnet? Gibt es erkennbare Personen auf der Karikatur? Bedeutsame Gegenstände? Lässt sich das Problem erkennen, das die Karikatur überzeichnet? Gibt es eine Position, eine Parteinahme in der Karikatur?

Es geht jetzt darum, die Karikatur zu beurteilen und in einer eigenen Stellungnahme zu verdeutlichen, ob man sich der Sichtweise des Karikaturisten annähern kann, diese teilt oder ganz anderer Meinung ist. Weitere Fragen, die der Betrachter sich stellen kann, können sich auf die Wirkung beim Betrachter beziehen, mögliche Gefahren der Karikatur benennen, den Wahrheitsgehalt analysieren oder die Argumente der Karikatur herausarbeiten.

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