G8-Gipfel in Heiligendamm

Da treffen sich die Regierungschefs der großen Industrienationen zum G8-Gipfel in Heiligendamm, um in ihrer kostbaren Freizeit selbstlos über die Geschicke der Menschheit bei gutem Essen zu diskutieren – und werden dann von Randalieren und Demonstranten aufgeschreckt…


G8-Gipfel in Heiligendamm

G8-Gipfel in Heiligendamm

Zeichner: Roger Schmidt
veröffentlicht am: 12. Mai 2007
Homepage: www.karikatur-cartoon.de


Unausweichlich steht er bevor, der G8-Gipfel im idyllischen, eingezäunten Heiligendamm. Hier, im Urlaubsparadies des Hochadels, treffen sich die Staats- und Regierungschefs der G8-Nationen, um über die aktuelle Politik zu diskutieren. Aber werden sie überhaupt dazu kommen? Zwischen Begrüßungen, Fototerminen und Arbeitsessen werden sie sich vielleicht in Gaffer verwandeln, die beobachten, wie tausende Demonstranten in eigens angelegte Gefängnisse geprügelt werden, dabei aber die kribbelnde Erwartung verspüren, von diversen Wurfgeschossen getroffen zu werden.
Aber nein, wohl eher nicht, denn das sind die Mitglieder des G8-Gipfels ja schon gewohnt. Sie begeben sich schließlich nicht zum ersten Mal in die Gefahr, die der internationale Weltwirtschaftsgipfel mit sich bringt. Hoffentlich hat noch schnell jemand den jungfräulichen Monsieur Sarkozy über die zu erwartenden Aufstände aufgeklärt. Doch dies sollte für den neuen Staatspräsidenten kein Problem darstellen, wo doch Aufstände im eigenen Land auf der Tagesordnung stehen.
Fest steht: Der Protest ist lauter denn je. Aber was versprechen sich die Kritiker eigentlich von ihren Krawallen? Die Bosse der Politik wollen doch im Grunde nur ihr Bestes. Sie suchen Lösungen für unlösbare Probleme, Kompromisse mit Kompromisslosen und Entscheidungen die tatsächlich entscheidend sein werden. Da soll einer den Widerstand verstehen. Ist es etwa Neid, da die Afrika-Politik im Vordergrund der Gespräche steht, während hierzulande alles drunter und drüber geht, jedes vierte Kind in Armut lebt, vier Millionen Menschen jeden Tag auf’s Neue stundenlang Gerichtssendungen anschauen müssen, statt sich selbst zu richten? Vielleicht stoßen den Demonstranten auch nur Worte wie „Investitionsfreiheit“ auf, denn schließlich würden sie selbst gerne einmal wieder in etwas investieren, doch wissend, dass ihr eigenes Geld hierfür fehlt, investieren sie stattdessen ihre überschüssige Energie in Straßenschlachten mit der Polizei. Das ist fast so spannend, wie ein Tagesausflug in einen überteuerten Freizeitpark. Und beim Thema Klimaschutz scheint so oder so alles verloren, denn solange die Chinesen nicht mitspielen, sind die Energiesparlampen der Bevölkerung so bedeutungsvoll wie ein Sandkorn in den unendlichen Weiten des Weltalls.
Da könnte man im stillen Kämmerlein schon auf den Gedanken kommen, dass der G8-Gipfel tagtäglich an Sinnlosigkeit gewinnt. Die Hoffnung auf einen Meteoriten mit Zielerfassung „Heiligendamm“ steigt. Wenn das Timing noch stimmt, ist nicht nur das Thema Politik erledigt, sondern auch die Diskussionen über EPO, Spritpreise und Song-Contests.

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