Politikverdrossenheit

Die Wahl der Qual: Fernsehen oder Wählen gehen...Mit großem Erstaunen und zur allgemeinem Überraschung, wird nach jeder Wahl die erneute Feststellung getroffen, dass die Nichtwahlbeteiligung wieder einen neuen Rekord erreicht hat. Die Medien berichten dann wieder von der Politikverdrossenheit der Bürger und betreiben Ursachenforschung. Dasselbe Szenario spielt sich in den Parteizentralen ab, niemand kann sich erklären, warum der Bürger nicht wählen geht. Die Schuld hat in einem solchen Fall erst einmal der ehemalige Koalitionspartner oder die gegnerische Partei.
Politikverdrossenheit

Politikverdrossenheit

Zeichner: Roger Schmidt
veröffentlicht am: 11. Mai 2007
Homepage: www.karikatur-cartoon.de


Aber vielleicht war am letzten Wahltag einfach das Fernsehprogramm besser oder der Bürger hatte schlicht und ergreifend keine Lust zum Wählen. Er ist einfach zu faul und zu träge. Die Regierung sollte für solche Fälle vielleicht einfach die Verfassung ändern. Es gäbe eine Wahlpflicht, wer nicht wählen geht, muss ein Bußgeld entrichten. Das würde zuerst einmal Geld in die Kassen bringen. Undenkbar ist, dass der Bürger damit einen logischen Sachverhalt zum Ausdruck bringt. Er reagiert, wie es bereits Kinder tun, mit Verweigerung . und die Kasse klingelt.
Die Wahlprogramme unterscheiden sich unwesentlich und die politische Arbeit der Parteien gleicht sich, wie ein Ei dem anderen. Im schlimmsten Fall arbeiten die Kontrahenten auch noch zusammen. Die Beschwerde an den Bürger, dass nicht an den Aussagen des Wahlkampfes festgehalten werden kann, da der Wille des Bürgers ja ein Mandat zum gemeinsamen Regieren war. Obwohl bei der letzten Wahl kein Feld für „große Koalition“ zur Auswahl stand.
Warum ist der Berufpolitiker eigentlich so erbost über die Politikverdrossenheit? Schließlich interessiert ihn während der Amtszeit auch nicht, welche Meinung der Bürger hat. Was ist also so wichtig, dass der Politiker sich über solche Banalitäten, wie fehlende Stimmen Gedanken macht. Die Politikverdrossenheit, aus der die fehlende Wahlbeteiligung resultiert, interessiert die Politiker nur aus einem Grund: die Erstattung der Kosten für den Wahlkampf richtet sich nach den erhaltenen Stimmen. Je geringer also die Wahlbeteiligung ausfällt, desto geringer die Erstattung. Der Bürger ist also nicht von Politikverdrossenheit geplagt, er versucht einfach dem Sparkurs der Regierung zu unterstützen, an der Politik ändert die Stimme sowieso nichts. So werden die Steuergelder für andere Zwecke frei, dass ermöglicht dann unter anderem einen Zaun um ein Kaff namens Heiligendamm zu bauen. Dem Bürger wurde bereits eindrucksvoll bewiesen, dass die Parteien nicht auf sein Steuergeld angewiesen sind. Schließlich wurden bereits andere Finanzierungsquellen gefunden.

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