Pressionality

Martin Rapaport ist kein unscheinbarer Mann, denn sein Metier sind Diamanten - besser gesagt der faire Handel mit ihnen. Insofern vereint der Herausgeber des Rapaport Diamond Report und maßgebliche Unterstützer des Clean Diamond Trade Act zwei Dinge, die sich eigentlich ausschließen wie Kohlenstoff und Glamour, obgleich das eine die Grundlage für das andere bildet. Diamanten [...]
Pressionality

Pressionality

Zeichner: Roger Schmidt
veröffentlicht am: 12. Dezember 2008
Homepage: www.karikatur-cartoon.de
Stichworte: ,,

Martin Rapaport ist kein unscheinbarer Mann, denn sein Metier sind Diamanten – besser gesagt der faire Handel mit ihnen. Insofern vereint der Herausgeber des Rapaport Diamond Report und maßgebliche Unterstützer des Clean Diamond Trade Act zwei Dinge, die sich eigentlich ausschließen wie Kohlenstoff und Glamour, obgleich das eine die Grundlage für das andere bildet. Diamanten sind weder radioaktiv noch magnetisch und dennoch ziehen sie viele Leute an. Leider sind nur wenige dazu bestimmt, den Sprung von magnetisierten und magnetisierbaren zu elektrischer Ladung zu schaffen, wohl auch weil die Fracht, die manch Seelenverkäufer an die Börse bringen möchte, sich am besten noch einer Hochdruckreinigung unterziehen müsste, um das an den Edelsteinen klebende Blut zu beseitigen.


Diamanten sind tatsächliche Urgesteine, bilden sie sich doch unter großem Druck und hohen Temperaturen tief unter der Erde. Druck misst man bekanntlich in Bar und um an daran zu kommen, müssen Diamanten gehandelt werden. Herr Rapaport hat hierfür ein Barometer entwickelt, den Rapaport Diamonds Trade Index. Ähnlich anderer Indices bietet auch dieser ein Spiegelbild oder vielleicht auch Diapositiv der momentanen Situation, wie sie sich den Investoren und Liebhabern kaum verrückbarer Güter zeigt. Dass Staubfänger die Aufgabe haben, die kleinsten Bewegungen anhand sich verschiebender Reinigungsgrenzen aufzuzeigen, mag Diamanten als Urgesteine kosmischen Staubs nicht unbedingt in die Nähe wertlosen Plunders rücken. Vielmehr sind sie nicht nur chemisch eine Mischung zwischen flüchtigen und festen Elementen. Sensibel wie der Rohölpreis wirkt sich eine Förderungsdrosselung umgehend auf die Bestückung der (Lang)Finger aus und auch Bohrer stehen still, werden doch Diamanten der B-Klasse aufgrund ihrer Härte vornehmlich in der Industrie eingesetzt. Andererseits bewegen fallende Aktien und stagnierende Volkswirtschaften die Bürger dazu, sich schwerfällige Investmentziele wie Gold oder eben Diamanten zu setzen, diese zu kaufen und in den Keller zu stellen, in der Hoffnung, man könne auch in hoch inflationären Zeiten immer noch auf die Volksweisheit hoffen, dass diamonds forever sind. Sicher haben sie einiges an dunklen erd- und menschheitsgeschichtlichen Episoden ohne einen Kratzer überlebt. Andererseits sind es doch wir Menschen, die ihnen jene Form geben, die sie für uns so wertvoll macht.
Druck muss entweichen – mitunter in der Kunst. So findet sich auch in Pieter Bruegel, d. Ä. Schlechter Hirte ein Anflug ironischer Anspielung darauf, wie man als gestresster Manager (denn was bitte sind Hirten denn anderes?) dem Erfolgsdruck entweichen kann: durch Flucht bzw. Standortverlagerung/Outsourcing. Denn wo die Wölfe wüten, lohnt es sich nicht neue Schafe zu züchten. Wem dient Best Practice, wenn dadurch die Herde den Anschluss verliert? So ähnlich fahrlässig scheinen die Wirtschaftsbosse momentan ihre Schutzbefohlenen (Aktionäre) im Regen stehen zu lassen. Jene wiederum schauen sich nicht nur zur Weihnachtszeit nach verlässlicheren Hirten um, Dass Diamanten nicht (für jedermann) an der Börse gehandelt werden und es ungleich Gold, Silber, Platin oder Öl keine Derivate auf den Edelstein bzw. einen geregelten Markt gibt, mag ihn für die Investoren demnach wohl doch weniger zum sicheren Hafen bei wogenden Aktienkursen machen. Und dass, obwohl Karat in Stein gemeißelt sind und meist an dicken Ketten hängen…

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